Auf dem längsten Bahntrassenweg durchs Dreiländereck

Die Vennbahn-Radstrecke ist 125km lang und führt uns durch drei Länder mit einer spannenden Historie. Sie gehört zu den ADFC-Qualitätsrouten und wurde mit vier Sternen ausgezeichnet. Entlang der Strecke gibt es 69 fahrradfreundliche Gastbetriebe, die zum Pausieren einladen. So könnt ihr euch genug Zeit nehmen, um die Umgebung der Vennbahn-Route zu erkunden. Unsere Routenhighlights stellen wir euch hier vor.

Den genauen Streckenverlauf gibt’s hier: www.vennbahn.eu/tourguide/

Och herm, was reden die denn hier?

Oecher Platt gibt’s hier zu hören, denn unsere Route startet im schönen Aachen. Was ihr hier auf jeden Fall probieren solltet sind die berühmten Aachener Printen und den leckeren Reisfladen aus Belgien. Von den süßen Printen legt sich der ein oder andere Besucher auch mal gerne einen Wintervorrat an. Mit vollem Bauch und Zuckerschock geht’s weiter durch die Stadt, wer sich direkt die angefressenen Pfunde abtrainieren will schnappt sich sein Rad und fährt auf den Aachener Lousberg. Hier kann man sich entweder für die steile Route oder eine umfahrende Route entscheiden. Von oben lässt sich die Aussicht über ganz Aachen und den Aachener Dom genießen. Bei der schönen Stadt lohnt es sich, gleich mehrere Tage zu bleiben, sie steckt voller Geheimnisse und spannender Sagen.


Mittelalterliche Romantik

Die alte Tuchmacherstadt Monschau liegt in direkter Nähe zur belgischen Grenze an der Rur und ist geprägt durch ein mittelalterliches Stadtbild. Die Stadtgeschichte lässt sich hier hautnah erleben. Nicht nur bei Mittelalterliebhabern ist die Stadt bekannt, sondern auch in der Filmbranche. Die Fachwerkbauten waren mehrfach Kulisse für Filmproduktionen. Wer die Krimiserie Schimanski oder den Film Freischwimmer kennt, dem ist auch das kleine Monschau nicht unbekannt. Falls ihr durch die Handwerks- und Filmgeschichte hungrig geworden seid, führt kein Weg vorbei an den Monschauer Dütchen. Die leichten Eierbisquithörnchen sind eine echte Spezialität. Aber auch Däftiges gibt es einiges zu bieten, zum Beispiel sind Senfbraten mit Gemüse und Döppekuchen sehr zu empfehlen. Was das ist? Probiert es aus! Es schmeckt lecker, versprochen.


Untürkisch türkischer Karneval

In Ostbelgien angelangt findet sich das 1000 Einwohnerdorf Faymonville. Hier findet jedes Jahr ein türkischer Karnevalsumzug statt, aber von Türken ist weit und breit nichts zu sehen. Im Februar findet hier ein buntes Spektakel statt, bei dem sich die Dorfbewohner in türkischer Tracht kleiden und begleitet durch Musik durch die Straßen ziehen. Dass keiner der Teilnehmer türkischer Abstammung ist, interessiert hier keinen. Das Fest soll an das 16. Und 17. Jahrhundert erinnern. Die damaligen Dorfbewohner lehnten den Aufruf der Kirche ab, sich für die osmanische Belagerung einzusetzen. Es hat nicht lange gedauert und man nannte die Bewohner selbst Türken.


Die „petite farce belge“

St Vith ging nicht nur durch die berühmte Volksbefragung in die Geschichte ein. Damals wurde festgestellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung zu Belgien gehören wollte, nicht zu Deutschland. Ein Skandal für die Zeit der Zwanziger. 20 Jahre später vereinnahmten die Nationalsozialisten die Stadt und zerstörten sie im Krieg, sodass nur noch Schutt und Asche blieb. Heute ist die Hauptstadt der belgischen Eiffel Schul- und Dienstleistungszentrum. Für Geschichtsinteressierte bietet die Stadt an Sonntagen einen Streifzug durch die Geschichte Sankt Vith‘s an.


In drei Ländern gleichzeitig

Wir sind am Ende der Radtour angekommen und erreichen Ulflingen in Luxemburg. An diesem Punkt treffen Luxemburg, Belgien und Deutschland aufeinander. Der französische Stadtname Troisvierges („drei Jungfrauen“) verdankt sich die Stadt den drei Schicksalsgöttinnen der römischen Mythologie. Ulvelingen war im 17. Jahrhundert eine bekannte Pilgerstätte, die mit dem Bau der Vennbahnstrecke einen wirtschaftlichen und demographischen Aufschwung erleben durfte. Zu sehen gibt es die drei Jungfrauen in der barocken Franziskanerkirche von Troisvierges.
Nach so viel Kulturgeschichte kann man eine Verschnaufpause zum Ende der Tour gut vertragen. Der Jardin de l’Europe bietet hierfür die perfekte Möglichkeit. Der riesige Garten ist in den letzten Jahren zu einer wunderschönen Oase zum Entspannen geworden.